DIE SONOGRAPHIE (ULTRASCHALLUNTERSUCHUNG) DER SÄUGLINGSHÜFTE

Im Lukas-Krankenhaus Bünde werden alle Neugeborenen auf angeborene Hüftluxationen untersucht. Die Hüftluxation (Hüftgelenksverrenkung) ist eine der häufigsten angeborenen Deformitäten des Bewegungsorgans. Der Begriff Hüftluxation wird häufig synonym mit der Hüftdysplasie verwendet. Korrekterweise bezeichnet man allerdings die Erkrankung als Hüftreifungsstörung. Wir stellen die Hüftreifungsstörung bei bis zu 5 % der Neugeborenen fest. Die Folgen eines Nichterkennens der Erkrankung sind schwerwiegend: ein frühzeitiger Gelenkverschleiß des Hüftgelenks mit fortwährenden Schmerzen und Bewegungseinschränkungen bereits im frühen Erwachsenenalter, ein hinkendes Gangbild mit großen sozialen und ökonomischen Auswirkungen auf den Patienten und die Notwendigkeit einer frühzeitigen Gelenkoperation mit Prothesenversorgung.

 

Erkennt man die Erkrankung jedoch bereits wenige Tage nach der Geburt, so kann man die aufgeführten Spätfolgen zu einem Großteil verhindern. Es ist bei einer konsequenten Früherkennung eine beinah vollständige anatomische Heilung möglich, wenn die Behandlung rechtzeitig beginnt.

 

Welche Verfahren zur Diagnosestellung gibt es?

  • Früher stand die klinische Diagnostik im Vordergrund. Es kommt bei betroffenen Säuglingen zu einer diskreten Bewegungseinschränkung der kranken Hüfte, die mit Abduktionsreduktion von lediglich 10° imponiert. Eine Faltendifferenz wurde gehäuft beobachtet. Das sogenannte Schnappzeichen nach Roser-Ortolani diente zur Beurteilung instabiler Gelenkverhältnisse und wurde in den ersten 24 Stunden nach der Geburt ausgelöst. Ein Dry-hip-click wurde zur manuellen Untersuchung ebenfalls verwendet. Alle aufgeführten klinischen Untersuchungsverfahren haben sich als unsichere Diagnostikverfahren herausgestellt.
  • Die Röntgendiagnostik wurde ebenfalls eingesetzt. Vor dem 3. - 6. Lebensmonat sind die Beckenknochen jedoch unzureichend verknöchert. Die Röntgendiagnostik bildet aber nur solche verknöcherten Anteile ab. Die Darstellung der Gelenkkapsel durch eine Kontrastmittelinjektion (Arthrographie) erzielte jedoch eine verbesserte Untersuchung. Jedoch ist dies ein invasives Verfahren mit einer hohen Strahlenbelastung.
  • Die Magnetresonanztomographie erlaubt eine sehr detaillierte Gelenkdarstellung. Die Säuglinge müssen dafür recht lange still liegen können, da das Bild sonst verwackelt. Diese strahlenfreie Methode wird nicht in der Routine verwendet.
  • Die Sonographie ist zum Goldstandard der Hüftgelenksdiagnostik beim Neugeborenen geworden. Sie verzichtet auf ionisierende Strahlen und vermag kongenitale Hüftluxationen sicher zu erfassen. Seit 1996 ist die Hüftsonographie als Screeningverfahren aller Neugeborenenhüften in Deutschland zugelassen.
 

Ist die Sonographie der Hüfte schädlich?

Es sind bisher keine negativen Auswirkungen bei der Anwendung mit diagnostischen Sonographien bekannt. Erst bei wesentlich höheren Intensitäten werden physikalische Phänomene wie Kavitation, Mikrostreaming und Depolymerisationseffekte ausgelöst. Die von uns verwendeten Diagnosegeräte besitzen eine wesentlich niedrigere Leistung. Es wurden umfangreiche Untersuchungen hierzu angestellt.

 

Wie kann man die Hüftreifungsstörung behandeln?

Bei der routinemäßigen Sonographie wird bei der Analyse der Zustand des Hüftgelenks typisiert und bei pathologischen Zuständen eine Rückführung in einen Normalzustand eingeleitet. Wir unterscheiden 3 Behandlungsphasen:

  1. Die Reposition von dezentrierten Gelenken (Sonographisch D, IIIa, IIIb, IV) von der Sekundärmulde in die sogenannte Urpfanne geschieht meist manuell. Bei schon etwas älteren Säuglingen ist hierfür manchmal eine Vorbereitungsphase notwendig.
  2. Nun erfolgt die Retention. Wenn der Hüftkopf in der richtigen Stellung eingebracht ist, wird die Stellung mittels einer Retentionsorthese gehalten. Es werden Sitz-Hock-Gipse und Mittelmeier-Graf-Spreizhosen verwendet. Diese Phase dauert 2-4 Wochen.
  3. Während der Nachreifung wird das Kind weiterhin mit der Spreizhose therapiert bis zur erneuten sonographischen Kontrolle.
 

Ab wann beginnt man mit der Therapie?

Je früher, desto besser. Die Behandlungsergebnisse sind bei frühem Erkennen wesentlich besser, da in den ersten 4 Lebenswochen das Hüftgelenk noch sehr viel Wachstumspotenz besitzt.

 

Sind weitere Kontrollen notwendig?

Es wird ein Kontrollabstand von 4 bis 6 Wochen für Säuglinge unter 3 Monaten empfohlen, bei älteren 8 bis 10 Wochen.